Wie erkennt man ein Burnout im öffentlichen Dienst?
Was ist ein Burnout?
Als Burnout wird eine akute Belastungssituation bezeichnet, die mit einer körperlichen, geistigen und emotionalen Erschöpfung einhergeht. Der Begriff stammt aus dem englischen und bedeutet übersetzt: „ Ausgebranntheit, totale Erschöpfung ". Betroffene können sich schlecht konzentrieren, machen zunehmend Fehler und verlieren in einigen Fällen auch die Energie, das Privatleben zu gestalten. Die Symptome sind vielfältig und eine Diagnose oft nicht einfach. Besonders betroffen von einem Burnout im öffentlichen Dienst sind Mitarbeitende in Bereichen wie Gesundheitswesen, Polizei, Feuerwehr und Militär. Aber auch in anderen Bereichen nehmen Arbeitsbelastung und Stress zu und lassen das Risiko einer Erkrankung steigen. Je später ein Burnout diagnostiziert wird, desto schlechter sind die Heilungschancen. Im fortgeschrittenen Stadium führt er oft zu einer langen oder sogar dauerhaften Dienstunfähigkeit.
Wen kann es treffen?
Grundsätzlich kann jeder Mensch einen Burnout erleiden. In den letzten Jahren sind selbst Hausfrauen und Erwerbslose betroffen. Zu Beginn wurde Burnout besonders häufig bei Personen aus Heil- und Pflegeberufen sowie ehrenamtlichen Helfern diagnostiziert. Besonders hoher Idealismus lässt die Betroffenen häufig über die eigene Belastungsfähigkeit hinweggehen ohne nennenswerte Anerkennung zu bekommen. Selbst sehr resiliente Menschen sind nicht vor einer Erkrankung gefeit. Ein besonders hohes Risiko haben Menschen mit einem schwach ausgeprägten Selbstbewusstsein sowie Personen mit einem hohen Maß an Engagement, Ehrgeiz und Idealismus. So gegensätzlich die Gruppen erscheinen mögen, sie haben eines gemein: Sie haben eine hohe Erwartung an Anerkennung.
Woran erkennt man ein Burnout? Die Symptome
Burnout-Symptome sind sehr vielfältig und individuell. Neben der Einschränkung von emotionaler, psychischer und geistiger Leistungsfähigkeit treten sehr häufig auch körperliche Beschwerden auf. Die Intensität der Beschwerden ändert sich je nach Krankheitsphase. Ein Grundsymptom ist jedoch immer vorhanden. Das Gefühl tiefer Erschöpfung. Anhand des Phasenmodells von Prof. Matthias Burisch erklären wir hier die Stadien des Burnouts im öffentlichen Dienst und wie Sie ein Burnout erkennen.
Burnout-Phasen im Überblick
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Stufe 1: Der Beginn
Meist zeigt sich in der Anfangsphase eher ein erhöhter Einsatz im Berufsleben. Das Gefühl unentbehrlich zu sein ist manchmal dem Ehrgeiz oder Idealismus geschuldet. Oft sind jedoch Mehrfachbelastungen oder ein steigendes Arbeitspensum die Ursache. Gerade Burnout im öffentlichen Dienst ist ein Thema, welches oft verdrängt wird. Bereiche wie Feuerwehr, Polizei, Armee oder Gesundheitswesen sind vielfach mit überdurchschnittlichen Belastungen behaftet. Konfrontationen oder gar Tod begegnen den Mitarbeitenden häufig und lassen Fragen aufkommen wie „Ich konnte nicht helfen“ oder „Hätte ich nicht anders handeln können?“. Dieses und mehr lässt den Diensteifer häufig steigen und die persönlichen Bedürfnisse in den Hintergrund rücken. Es gibt viele Anzeichen eines drohenden Burnouts. Nicht alle müssen zutreffen. Die Symptome sind höchst individuell. Sie sollten auf folgende Anzeichen achten:
- Das Gefühl der Unentbehrlichkeit
- Die Sorge, nicht genug Zeit zu haben
- Das Verdrängen von Misserfolgen und Enttäuschungen
- Die Verleugnung der persönlichen Bedürfnisse
- Beschränkung der sozialen Kontakte auf Patienten, Kunden und ähnliches
Erste Erschöpfungsanzeichen lassen in diesem Stadium nicht lange auf sich warten. Diese äußern sich in Schlaflosigkeit, Energiemangel, Rastlosigkeit, nachlassende Konzentration und erhöhter Anfälligkeit für Infektionen.
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Stufe 2: Das Engagement lässt nach
Irgendwann lässt der Einsatz nach. Die Erwartung, etwas zurückzubekommen, wird nicht erfüllt und führt langsam zu Frustration. Durch die zunehmende Unzufriedenheit entwickelt sich ein stärker werdender Widerwille. Der Mitarbeitende beschränkt seinen Einsatz auf das Nötigste, kommt immer später zur Arbeit und macht früh Feierabend. Besonders bei Pflegekräften und in anderen helfenden Berufen lässt die Empathie nach. Im Umgang mit den Patienten macht sich eine Kälte breit, die oft dazu führt, dass sie abwertend behandelt werden.
Auch im familiären Umfeld macht sich dieses Stadium bemerkbar. Die Anforderungen an den Partner oder die Partnerin steigen ohne dass ihm oder ihr etwas zurückgegeben wird. Auch Kinder sind häufig betroffen, da sich die erkrankte Person kaum mehr um sie kümmern kann oder möchte.
Alarmzeichen eines beginnenden Burnouts sind:
- Abnehmender Idealismus
- Gefühl fehlender Wertschätzung
- Nachlassendes Engagement
- Abnehmende Empathie
- Zunehmender Zynismus und Kälte
- Negative Gefühle gegenüber Kollegen, Vorgesetzten und anderen beruflichen Kontakten
- Aufblühen in der Freizeit
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Stufe 3: Schuldzuweisung, Aggression und Depression
Mit der Frustration kommt die Desillusionierung. Die Betroffenen merken, dass die Realität nicht ihren Wünschen entspricht. Die Schuld daran gibt sich die betroffene Person selbst oder anderen. Es folgen Aggressionen oder eine depressive Stimmung kehrt ein.
Die depressive Seite macht sich mit Antriebslosigkeit, Angstzuständen und abnehmendem Selbstvertrauen, aber auch durch das Gefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit und innerer Leere bemerkbar. Auch Niedergeschlagenheit und Pessimismus sind Begleiter dieser Phase.
Die aggressive Seite zeigt sich häufig durch Schuldzuweisungen nach außen, Reizbarkeit, Ungeduld, Zorn und Intoleranz.
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Stufe 4: Leistungsverlust
Schleichend setzen weitere Verschlechterungen ein. Der Arbeitseinsatz beschränkt sich zunehmend auf „Dienst nach Vorschrift“. Die Kreativität lässt nach, ebenso die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Komplexe Aufgaben werden zu einem immer größeren Problem und Veränderungen werden abgelehnt. Durch den immer stärkeren Leistungsverlust ist es den Betroffenen kaum mehr möglich, differenziert zu denken und Veränderungen zu akzeptieren.
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Stufe 5: Desinteresse
Der Energieverlust führt zum emotionalen und sozialen Rückzug. Familie, Freunde und Hobbys weichen Gleichgültigkeit und Langeweile. Burnout macht nicht nur im öffentlichen Dienst einsam.
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Stufe 6: Psychosomatische Probleme
Die hier aufgeführten Reaktionen beginnen meist bereits in den früheren Stadien. Körperliche Reaktionen zeigen sich in
- Schlafstörungen/Albträume
- Erhöhte Infektionsanfälligkeit
- Höherer Konsum von Alkohol, Nikotin oder Koffein
- Durch veränderte Essgewohnheiten Gewichtszunahme oder -abnahme
- Muskelverspannungen
- Bluthochdruck, Engegefühl in der Brust, Herzklopfen
- Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
- Sexuelle Probleme
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Stufe 7: Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung
Die letzte Phase des Burnouts ist durch Hilflosigkeit, Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung gekennzeichnet. Jegliche Freude an den schönen Dingen des Lebens geht verloren. Nicht selten tauchen auch Suizidgedanken auf. Diese Phase wird auch als schwere Burnout-Depression bezeichnet.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Burnout?
Eine frühzeitige Erkennung des Burnouts ist entscheidend für die Heilungschancen. Holen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie Symptome feststellen. Zunächst gilt es herauszufinden, ob es sich tatsächlich um einen Burnout handelt oder um eine Depression, eine chronische Erschöpfung oder eine andere manifeste psychische Erkrankung wie beispielsweise Angststörung. Vor jeder Therapie steht die Einsicht.
Die Behandlung setzt sich aus vielen einzelnen Elementen zusammen. Diese werden individuell auf die Betroffenen zugeschnitten. Hilfreich ist es, den Kontakt zu anderen Betroffenen zu suchen (zum Beispiel über Selbsthilfegruppen). Diese ersetzen natürlich keine professionelle Behandlung, können aber durchaus Wege aufzeigen. Eine Therapie kann beispielsweise folgende Bausteine enthalten:
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1. Krisenintervention
In der Anfangsphase des Burnouts reicht oft eine Kurzzeittherapie oder eine Krisenintervention von wenigen Stunden. Sie stärkt die Fähigkeiten zur Konflikt- und Problemlösung und vermittelt ein sensibleres Gespür für die persönlichen Grenzen der Belastbarkeit.
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2. Psychotherapie
Im fortgeschrittenen Stadium des Burnouts ist eine Psychotherapie unumgänglich. Die Schwerpunkte der Therapie richten sich individuell nach der Situation des Betroffenen.
- Verhaltenstherapie:
Ein Burnout bringt Verhaltensmuster und falsche Vorstellungen mit sich, die durch eine Verhaltenstherapie aufgelöst werden können. - Tiefenpsychologische Verfahren:
Diese manchmal langwierige und anfangs schmerzhafte Therapie hat das Ziel, das Selbstwertgefühl zu stabilisieren. Sie ist eine Grundlage, die Abhängigkeit nach äußerer Anerkennung zu vermindern. - Gruppentherapie:
Zu Beginn für viele Menschen ungewohnt, die eigenen Sorgen mit einer Gruppe von Fremden zu teilen. Diese Gespräche können durch den Austausch mit anderen Patienten eine entlastende Wirkung erzielen.
- Verhaltenstherapie:
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3. Sport und Körpertherapie
Körperliche Aktivitäten wirken sich positiv auf das Selbstbewusstsein und das Körperempfinden aus.
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4. Spezielle Burnoutkliniken
Einige Kliniken haben sich auf die Behandlung von Burnout spezialisiert. Sie bieten eine breite Palette an Therapien. Durch den stationären Aufenthalt ist es dem Betroffenen möglich, sich mit seiner Problematik eingehend auseinanderzusetzen, Ursachen aufzudecken und Strategien einzuüben.
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5. Medikamente
Spezielle Medikamente gegen einen Burnout sind nicht verfügbar. Jedoch ist bei depressiven Schüben neben der Psychotherapie die Gabe von Antidepressiva eine unterstützende Möglichkeit.
Wie kann Burnout vorgebeugt werden?
Besser als eine Behandlung von Burnout im öffentlichen Dienst ist die Vorbeugung. Hier gibt es viele Möglichkeiten auf privater, aber auch beruflicher Ebene. Im privaten Bereich sind folgende Präventionsmaßnahmen hilfreich:
Zudem ist es sinnvoll, ein Stresstagebuch zu führen und sich bei Anzeichen eines Burnouts rechtzeitig Hilfe zu holen.
Maßnahmen, die für den beruflichen Teil des Lebens möglich sind:
Eine klare klinische Definition eines Burnouts gibt es derzeit nicht. Viele Symptome überschneiden sich mit anderen psychischen Störungen/Erkrankungen. So sind beispielsweise Depressionen oder das Müdigkeitssyndrom mit ähnlichen Merkmalen versehen. Erkennen Sie erste Anzeichen wie wachsende Erschöpfung oder Müdigkeit, zögern Sie nicht mit Ihrem Hausarzt darüber zu sprechen. Ein nicht erkannter oder nicht behandelter Burnout kann im schlimmsten Fall zur Teilinvalidität oder gar zur vollen Erwerbsunfähigkeit führen.
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